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title: "Inside arocom: Wie wir selbst mit KI arbeiten"
lang: de
type: blog
canonical: https://www.arocom.de/blog/ki-im-agenturalltag
alternate: https://www.arocom.de/en/blog/ai-in-agency-work
author: "Axel Roth"
published: 2026-01-20
last_updated: 2026-10-31
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# Inside arocom: Wie wir selbst mit KI arbeiten

arocom setzt KI im eigenen Agenturalltag in drei Bereichen produktiv ein: Softwareentwicklung (KI-Agenten für Implementierung, Tests und Reviews mit menschlicher Abnahme), Content-Arbeit (Recherche und Entwürfe, finale Redaktion beim Autor) und SEO/GEO-Analysen (automatisierte Audits über eigene Tool-Pipelines). Der größte messbare Effekt liegt in der Entwicklung; der Engpass wandert vom Umsetzen zum präzisen Beschreiben und zum Review. Wieder abgeschafft: vollautomatische Übersetzungen ohne Review, KI-generierte Stock-Bilder für Fachinhalte und ein interner Wissens-Chatbot.

## Inside arocom: Wie wir selbst mit KI arbeiten

Wer Unternehmen zu KI berät, sollte die eigene Werkstatt zeigen können.
Dieser Beitrag ist bewusst konkret: welche Werkzeuge wir wofür nutzen,
was sie messbar bringen, was schiefging. Stand: Januar 2026. Die
Halbwertszeit solcher Berichte ist kurz; genau deshalb schreiben wir
ihn. Ein Update folgt, wenn sich Wesentliches ändert.

Drei Bereiche tragen bei uns den Alltag: Entwicklung, Content-Arbeit
und SEO-Analysen. Für jeden zeigen wir ein konkretes Beispiel aus den
letzten Wochen, dazu die Liste der Dinge, die wir nach ehrlicher
Bilanz wieder beerdigt haben.

Die Haltung hinter diesem Werkstattbericht steht in neun Grundsätzen
in unserem [KI-Manifest](https://www.arocom.de/ki-haltung).

## Entwicklung: Agenten implementieren, Menschen entscheiden

Der größte Hebel liegt bei uns in der Entwicklung. KI-Agenten
übernehmen abgegrenzte Implementierungsaufgaben: Komponenten bauen,
Tests schreiben, Refactorings durchziehen, Code-Reviews vorbereiten.
Unsere eigene Website (über 500 statische Seiten, Astro plus
Drupal-Erbe) wird überwiegend so weiterentwickelt. Wir beschreiben
die Aufgabe, der Agent implementiert auf einem Feature-Branch,
Qualitäts-Gates laufen automatisch (Tests, Linting, visuelle
Regression), ein Mensch reviewt den Pull Request.

Wie das an einem normalen Vormittag aussieht, am Beispiel eines
echten Features (die Zeiten sind grobe Werte aus unserer eigenen
Beobachtung, keine Benchmark):

- **9:00 Uhr, Aufgabe beschreiben, etwa 20 Minuten.** Eine kurze
  Spezifikation: was die neue Filterfunktion können soll, welche
  Seiten betroffen sind, dass DE und EN gleichziehen müssen.
- **9:20 Uhr, der Agent implementiert, etwa 45 Minuten.**
  Feature-Branch, Komponente, Tests, Übersetzungen. Wir arbeiten
  währenddessen an anderen Themen.
- **10:15 Uhr, Qualitäts-Gates, etwa 10 Minuten.** Tests, Linting,
  Accessibility-Check und visuelle Regression laufen automatisch.
- **10:30 Uhr, Review, etwa 30 Minuten.** Ein Entwickler liest den
  Pull Request, findet einen unbehandelten Randfall, der Agent
  korrigiert ihn.
- **Gegen 11:30 Uhr: Merge.** Vor den Agenten hätten wir für
  dasselbe Feature ein bis zwei Personentage angesetzt. Am
  Nachmittag läuft das nächste Ticket nach demselben Muster.

Die ehrliche Bilanz: Bei klar umrissenen Aufgaben sind die Agenten
schneller und gründlicher als wir. Sie vergessen keine Testfälle und
keine Übersetzung. Bei unscharfen Aufgaben produzieren sie
selbstbewussten Unsinn. Der Engpass wandert vom Schreiben des Codes
zum präzisen Beschreiben des Problems und zum Review.

Über das Jahr gerechnet schätzen wir den Effekt auf etwa die
doppelte Zahl umgesetzter Aufgaben pro Woche. Das ist eine
Größenordnung aus unserer eigenen Aufzeichnung, keine Benchmark,
und sie verteilt sich ungleich: Routinearbeit beschleunigt stark,
Konzeptarbeit kaum. Bewusst nicht an Agenten geben wir
Architekturentscheidungen, sicherheitskritische Änderungen und
alles, was wir selbst noch nicht klar beschreiben können. Eine
unscharfe Aufgabe wird durch einen Agenten nicht schärfer, nur
schneller falsch umgesetzt.

## Content und SEO: Entwurf ist KI, Absender ist Mensch

In der Content-Arbeit gilt unser [Leitprinzip](https://www.arocom.de/blog/human-centered-ai-first)
wörtlich: Recherche, Strukturvorschläge und Erstfassungen kommen aus
der KI. Die finale Fassung verantwortet der Autor oder die Autorin,
bei diesem Text: ich. Metadaten, Alt-Texte und
Übersetzungs-Rohfassungen laufen über dieselben Workflows, die wir
[Kunden in Drupal einrichten](https://www.arocom.de/blog/drupal-ki-content-workflows).

Das konkreteste Beispiel ist dieser Blog selbst. Der Workflow für
jeden Beitrag: Recherche-Agenten sammeln Quellen und
Gegenpositionen, ein Agent baut daraus einen Strukturvorschlag und
eine Erstfassung nach unserem Redaktionsleitfaden. Dann übernimmt
der Mensch: kürzen, Zahlen prüfen, eigene Projekterfahrung
ergänzen, den Ton geraderücken. Von der Erstfassung bleibt selten
mehr als die Struktur unverändert. Auch dieser Text ist so
entstanden, und freigegeben habe ihn ich.

Die Recherche-Agenten liefern dabei keine fertige Wahrheit, sondern
Material: eine Quellenliste mit Gegenpositionen, offene Fragen,
eine erste Gliederung. Unsere Regel dazu ist streng: Kein Beitrag
geht raus, dessen Zahlen und Behauptungen der benannte Autor nicht
selbst geprüft hat. Das kostet pro Text ein bis zwei Stunden und
ist der Teil, den wir nicht automatisieren werden.

Für SEO- und GEO-Analysen haben wir eigene Pipelines gebaut:
automatisierte Site-Audits, Search-Console-Trends,
Wettbewerbs-Monitoring in KI-Antworten. Was früher ein Beratertag
war, ist heute ein Report auf Knopfdruck. Der Beratertag steckt
jetzt in der Interpretation und den Maßnahmen. Ein Beispiel: Der
wöchentliche Sichtbarkeits-Report über unsere Kundenprojekte
brauchte früher einen halben Tag Handarbeit. Heute läuft er
automatisch und endet in einer halben Stunde menschlicher
Einordnung. Die Bausteine dafür sind dieselben Agenten wie in der
Entwicklung, nur mit anderen Datenquellen: Search Console,
Webanalyse und die KI-Suchen selbst.

## Was wir wieder abgeschafft haben

Transparenz heißt auch, die Fehlschläge zu nennen. Die Liste ist
kurz, aber jeder Punkt hat uns Zeit oder Geld gekostet, bevor wir
ihn gestrichen haben:

- **Vollautomatische Übersetzungen ohne Review.** Die Rohqualität ist
  beeindruckend, aber Fachterminologie und Tonalität kippen ohne
  menschliche Redaktion zuverlässig ins Generische. Heute: Rohfassung
  automatisch, Freigabe menschlich. Gelernt haben wir, Qualität dort
  zu prüfen, wo sie kippt: an Fachbegriffen und Tonlage, nicht an
  der Grammatik.
- **KI-generierte Bilder für Fachinhalte.** Sie sahen nach KI aus und
  zahlten auf nichts ein. Wir sind zu kuratierten Stock-Fotos und
  eigenen Grafiken zurückgekehrt. Das Learning daraus: Ein Bild
  zahlt nur ein, wenn es etwas Echtes zeigt, also kuratieren wir
  Fotos heute so sorgfältig wie Texte.
- **Der "alles automatisieren"-Reflex.** Ein interner Chatbot für
  Projektwissen brachte weniger als die simple Disziplin, Wissen
  strukturiert in Markdown-Dokumenten zu halten, die Menschen und
  unsere KI-Werkzeuge gleichermaßen lesen. Der Engpass war nie das
  Abfragen von Wissen, sondern seine Pflege. Manchmal ist die beste
  KI-Maßnahme ein aufgeräumtes Dateisystem.

## Was ihr aus unserer Werkstatt mitnehmen könnt

Hinter allen drei Bereichen steckt dasselbe Muster: KI verschiebt
den Engpass vom Ausführen zum Entscheiden. Implementieren,
Übersetzen und Auswerten sind schnell geworden; präzise
beschreiben, prüfen und verantworten bleiben Menschenarbeit, und
genau dort investieren wir. Diese Verschiebung ist auch der Grund,
warum dieser Bericht ein Verfallsdatum trägt: Die Werkzeuge ändern
sich schneller als die Spielregeln, also dokumentieren wir vor
allem die Spielregeln.

Wenn ihr prüfen wollt, wo KI in eurem eigenen Alltag trägt:
Beginnt mit einem abgegrenzten, gut beschreibbaren Prozess,
messt vorher und nachher, und behaltet die Freigabe beim
Menschen. Wie daraus eine Strategie statt einer Bastelei wird,
beschreiben wir im Beitrag zur
[KI-Strategie im Mittelstand](https://www.arocom.de/blog/ki-strategie-mittelstand).
